Schulkind machte auf dem Nachhauseweg eine grausige Entdeckung

Hund riss Reh-Mutter – Kitz auch tot
Fall in Obernhof erregt die Gemüter – Immer wieder hetzen freilaufende Vierbeiner Wildtiere zu Tode – Halter sind verantwortlich
Repro und Text: Achim Steinhäuser
OBERNHOF. Eine grausige Entdeckung machte in Obernhof ein Kind auf dem Schulheimweg. Unterhalb der Straße „Neuer Weg“ fand es eine, offenbar von einem Hund gerissene Reh-Mutter, für die jede Hilfe zu spät kam. Tragisch ist zudem, dass diese führende Ricke, also ein Muttertier, ein junges Rehkitz hatte. Da mit dem Tod der Mutter auch das Schicksal des Kitzes besiegelt ist, welches ohne die Mutter keine Überlebenschance hat, machten sich hilfreiche Anwohner des Vereins zum Schutz des Kitzes auf die Suche nach dem Tier, um es einzufangen. Aber ohne Erfolg.

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Die nächsten Tage beobachteten Anwohner das Kitz jeden Morgen in der Früh und am Abend wenn es aus seinem Versteck kam. Obwohl es zwar einige Blätter knabberte, aber die Muttermilch fehlte, fiepte es oft am Tag jämmerlich. Leider ließ das Kitz niemanden auch nur in die Nähe kommen und schon war es verschwunden. Fünf Tage später am frühen Nachmittag wurde es wieder gesichtet und es schien ruhiger als an den vorangegangenen Tagen zu sein. So gelang es den Rehkitzhelfern endlich, das Kitz einzufangen. Aber das Kitz war mittlerweile so geschwächt und ausgehungert, dass es kurz darauf verstarb.

In unseren Wäldern und Feldern der Region trifft man immer wieder freilaufende Hunde an. Zum Leidwesen der Wildtiere ist vielen Hundehaltern nicht bewusst, dass auch ihr Hund für diese Tiere eine Gefahr darstellt. Viele Hundehalter sind davon überzeugt, dass ihr vierbeiniger Freund, ein normalerweise folgsames und gutmütiges Tier, nicht jagt. Wenn jedoch ein aufgescheuchtes Reh oder ein sonstiges Wildtier davonrennt, nehmen die Hunde, ihrem natürlichen Jagd- und Spieltrieb folgend, die Verfolgung auf.

Immer öfter hört man von so manchem Hundebesitzer, die ihre Hunde frei laufen lassen, den völlig haltlosen Satz: „Mein Hund tut nichts“. Aber wie das jüngste Beispiel in Obernhof unterhalb der Straße „Neuer Weg zeigt, trifft dies nicht immer zu. Gerade in den Setz- und Aufzuchtzeiten des Wildes und aus Gründen des Tierschutzes sollte, damit es nicht zu den beschriebenen Problemen kommt, von den Hundehaltern Rücksicht genommen werden. Besonders Ricken, die kurz vor dem Setzen ihrer Kitze stehen, sind sehr schwerfällig und deshalb eine leichte Beute für Hunde, die außer Kontrolle geraten. Auch für einen Jäger ist das Bild eines gerissenen Tieres ein schrecklicher Anblick, weiß er doch, dass große Angst und Qualen vorausgegangen sind. Nichts spricht dagegen, Hunde im Wald oder im hohen Gras an der Leine zu halten. Der Hund kann nichts dafür, dass er wildert. Er folgt nur seinem Instinkt. Verantwortlich ist der Hundebesitzer.

Damit sich die Wildtiere nicht gestört oder bedroht fühlen, gar verletzt oder getötet werden, ist es wichtig, bei einem Aufenthalt in freier Natur einige Verhaltensregeln zu beachten. Die Wege sollten, gerade in Setz- und Aufzuchtzeiten des Wildes, nicht verlassen und Lärm vermieden werden. Hunde gehören zumindest im Wald, an Waldrändern und im hohen Gras an die Leine.

Leider trifft man immer wieder auf Hundehalter, die ihre vierbeinigen Freunde nahezu überall in der Stadt und in der Region von der Leine lassen, und das während der gesetzlichen Leinenpflicht vom 1. April bis 15. Juli. In der Verbandsgemeinde Nassau fasste der Verbandsgemeinderat im Jahre 2008 nach der Gefahrenabwehrverordnung mit großer Mehrheit den Beschluss, dass künftig Hunde auf allen öffentlichen Straßen und Plätzen sowie innerhalb der bebauten Ortslagen der Verbandsgemeinde Nassau angeleint werden müssen. Wer dagegen verstößt muss mit einer Geldstrafe von bis zu 5 000 Euro rechnen. Die Anleinpflicht für Hunde gilt aber nicht nur Innerorts, sondern auch außerhalb der Ortschaften, sobald sich der Hund fremden Menschen nähert. Und zwar ohne dass der Hundehalter dazu erst aufgefordert wird.

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Foto: Der Fall in Obernhof erregt die Gemüter, hier die Ricke mit ihrem Kitz vor und nach der Wilderei eines Hundes.

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Ein Kommentar

  1. Der Text trifft es auf den Punkt.
    Die Leinenpflicht sollte vermehrt kontrolliert werden! Leider begegnen mir sehr häufig unangeleinte Hunde und ihre Tut-Nix-Herrchen/Frauchen! Nicht nur eine Gefahr für Wildtiere, sondern auch für an der Leine geführte Hunde. Leider schon zu oft Erfahrung mit gemacht.
    Es gibt Schleppleinen (in unterschiedlichen Längen, da hat der Hund genügend Freiraum zum Laufen) das sollte doch keine Problem sein, seinen Hund daran zu führen, wenn er nicht zu 100% im Gehorsam steht, auch in prenzligen Situationen.

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